Ein habsburgischer Doppeladler im Wappen, ein Ort, der zweimal gegründet wurde, und ein Fluss, der bestimmt hat, wo überhaupt jemand leben konnte — Alteas Geschichte erklärt erstaunlich viel von dem, was heute zu sehen ist.
Das auffälligste Zeichen Alteas ist ein Vogel, der an diese Küste eigentlich nicht gehört: ein habsburgischer Doppeladler. Wie er hierherkam, erzählt man sich seit Generationen — und wie sich zeigt, stimmt die Geschichte so nicht.
Schon 1703 lag die englisch-niederländische Flotte erstmals vor Altea und wurde freundlich empfangen. 1704 diente die Bucht der britischen Flotte als Ausgangspunkt für den Zug nach Gibraltar. Mitte August 1705, im Spanischen Erbfolgekrieg, landeten hier valencianische Anhänger des Erzherzogs; die Flotte war zuvor ohne Kampfhandlung von Alicante abgezogen. Am 18. August ergab sich Dénia dem valencianischen General Joan Baptista Basset, und Erzherzog Karl wurde als „Karl III.“ zum König ausgerufen. Altea stellte sich damit früh auf die habsburgische Seite; hier nahm die Erhebung in der Marina ihren Ausgang. Für Altea endete der Krieg auf der Verliererseite.
Von hier führt die Überlieferung zum Doppeladler: Erzherzog Karl habe ihn dem Ort zum Dank verliehen. So steht es in Reiseführern und auf Webseiten — und so stand es auch hier, bis wir nachgefragt haben. Das Gemeindearchiv Altea hat die Sache eingeordnet, und das Ergebnis ist nüchterner: Die Herleitung aus dem Erbfolgekrieg ist Tradition, keine Urkunde. Ein Verleihungsakt ist nicht belegt.
Mehr noch: Altea hat gar kein amtliches Wappen. Es ist weder vom Gemeinderat noch von der Generalitat Valenciana genehmigt oder geregelt. Was es gibt, ist ein gewachsener Gebrauch — der Doppeladler nachweisbar mindestens seit dem 19. Jahrhundert, der Hintergrund mit den Pfählen Aragóns erst seit dem 20. Das Rathaus führt heute ein Logo mit gekröntem Doppeladler über vier roten Pfählen in goldenem Feld. Wir bilden es hier nicht ab.
Wie alt der Adler mindestens ist, lässt sich auf das Jahr genau sagen. Eine königliche Verordnung vom 30. August 1876 verpflichtete jede spanische Gemeinde, einen Abdruck ihres Amtssiegels einzusenden; die meisten trafen bis 1878 ein. Die rund zehntausend Abdrücke liegen heute als Colección de sellos en tinta municipales im Nationalarchiv. Alteas Abdruck ist darunter. Er trägt den Doppeladler — und sonst nichts. Keine Pfähle, kein Schild, nur den Vogel und die Umschrift Alcaldía Constitucional de Altea. Die Senyera darunter kam erst im 20. Jahrhundert dazu.
Quelle: schriftliche Auskunft des Arxiu Municipal d’Altea, Oktober 2026. Die Literatur dazu steht unter „Quellen und Belege“; sie liegt in der öffentlichen Bibliothek Alteas. Die Costa Blanca Nachrichten haben die Episode ausführlich erzählt ↗ — dort wird die Verleihung allerdings ohne Quellenangabe wiedergegeben.
Über die Herkunft des Namens streiten sich zwei Erklärungen, und beide haben ihre Anhänger.
Die griechische führt ihn auf Althaia zurück, zu Deutsch etwa „ich heile“. Dazu passt die Überlieferung, griechische Seefahrer hätten den Fluss Algar wegen der vermuteten Heilkraft seines Wassers so genannt, und an seiner Mündung habe ein griechischer Handelsplatz dieses Namens gelegen. Es ist die schönere Geschichte — und die, die man in Altea am häufigsten hört.
Dahinter steht das griechische althaínein, heilen. Davon hat auch der Eibisch seinen Namen, Althaea, eine alte Heilpflanze, und davon heißt in der griechischen Sage die Königin von Kalydon Althaia. Für Altea beweist das nichts — es erklärt nur, warum sich die Deutung so hartnäckig hält: Das Wort führt tatsächlich zum Heilen, nur eben nicht nachweislich an diese Küste.
Die arabische führt ihn auf aṭṭalāya zurück, aus dem im Valencianischen talaia und im Spanischen atalaya wurde: Wachturm. Der Name meinte dann einen erhöhten Punkt, von dem aus man Land und Meer überblicken konnte — was zur Lage des Ortes bemerkenswert gut passt. Der Forschungsblog der Universität Alicante hält diese Herleitung für die wahrscheinlichere.
Ganz sauber ist keine von beiden. Gegen die arabische ließe sich einwenden, das zugrundeliegende Wort sei im andalusischen Arabisch so nicht belegt; gegen die griechische, dass ein Ortsname selten eine Verbform ist — das ist unsere eigene Überlegung, nicht die der zitierten Literatur. Meist wird der Name heute auf das arabische aṭṭalāya zurückgeführt; mehr lässt sich redlicherweise nicht sagen.
Der Algar entspringt im Bergland bei Callosa d’en Sarrià, wo seine Quellen — die Fonts de l’Algar — bis heute ein Ausflugsziel sind, durchquert das Hinterland und mündet in der Bucht von Altea ins Meer.
Er ist kein Fluss im mitteleuropäischen Sinn. Den größten Teil des Jahres führt er wenig oder gar kein Wasser; nach schweren Herbstregen kann er innerhalb von Stunden zum reißenden Strom werden. Genau diese Doppelnatur hat die Besiedlung geprägt: Das Süßwasser machte Landwirtschaft möglich, die Mündung bot einen natürlichen Ankerplatz, und die Hochwasser hielten die Menschen davon ab, direkt im Bett zu siedeln — man baute auf den Anhöhen daneben.
Frühe Siedlungsspuren liegen über das ganze Gemeindegebiet verteilt — Felsbilder am Vicari, bronzezeitliche Funde am Momai, die iberische Siedlung mit Nekropole in Altea la Vella. Die Séquia Mare, der große historische Bewässerungskanal, leitete das Wasser des Algar in die Felder und war für die Landwirtschaft der Umgebung so wichtig, dass sie deren Aufschwung im 18. Jahrhundert überhaupt erst ermöglichte.
Auch heute ist der Fluss im Alltag gegenwärtig. Wer in Mündungsnähe bauen will, stößt auf Hochwasserschutzauflagen — die Überschwemmungsgebiete sind in der valencianischen Raumplanung kartiert und schlagen bis in Planung und Bebaubarkeit einzelner Grundstücke durch. Wer ein Grundstück in Flussnähe kauft, sollte das vor dem Notartermin geklärt haben. Zur Wasserversorgung selbst: Wasserversorgung.
Die ältesten Spuren im Gemeindegebiet sind jungsteinzeitliche Felsbilder am Vicari; aus iberischer Zeit stammen die Siedlung von Altea la Vella und die auf dem Cap Negret. Dazu kam, so die verbreitete Darstellung, ein griechischer Handelsplatz namens Althaia in der weiten Bucht. Aus römischer Zeit sind ebenfalls Reste nachgewiesen.
Man sollte sich davon kein Stadtbild vorstellen: Es ging um Ankerplätze, Umschlag und Landwirtschaft an einer Küste, die für die Schifffahrt zwischen den großen Häfen nützlich war. Die geschützte Bucht von Altea dürfte über alle Epochen hinweg ein Hauptgrund für die Bedeutung des Ortes gewesen sein.
Unter muslimischer Herrschaft gehörte das Gebiet in seiner letzten Phase zur Taifa von Dénia. Der Hauptort lag damals weiter landeinwärts am Fuß der Serra de Bèrnia — an der Stelle des heutigen Altea la Vella, wörtlich „das alte Altea“. Leer war der Hügel der heutigen Altstadt allerdings nicht: Auch dort gibt es iberische und islamische Funde, und die Festung Bellaguarda war islamischen Ursprungs.
Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Ortsstruktur: Es gibt zwei Kerne, und der ältere ist der, der heute wie ein Vorort wirkt. Die Landwirtschaft jener Zeit beruhte auf alqueries, kleinen bäuerlichen Ansiedlungen mit Bewässerung aus dem Algar.
1244 wurde Altea von Jaume I. von Aragón erobert. Eine erste Wiederbesiedlungsurkunde folgte 1279. Auf dem Hügel über der Bucht stand die Festung Bellaguarda, islamischen Ursprungs und bis ins 17. Jahrhundert genutzt.
Was folgte, waren Jahrhunderte des Auf und Ab. Die Wiederbesiedlung nach 1279 scheiterte an der Unsicherheit jener Zeit. Die Küste war den Überfällen nordafrikanischer Korsaren ausgesetzt; wer an der Küste lebte, lebte gefährlich. Im 16. Jahrhundert entstand das Netz der Wachtürme, deren Reste noch stehen — die Torre de la Galera ist heute geschütztes Kulturgut, die Torre de Bellaguarda gab dem ältesten Viertel des Ortes seinen Namen.
Den Ausschlag gab schließlich die Vertreibung der Morisken 1609. Sie entzog der Region einen Großteil der Bevölkerung, und der alte Kern verlor seine Rolle als Hauptort.
Um die Wende zum 17. Jahrhundert hatte sich unterhalb des Turms von Bellaguarda eine kleine Ansiedlung gehalten. 1617 erhielt sie unter der Herrschaft von Jaume de Palafox, Marqués de Ariza, eine zweite carta pobla: die Erlaubnis zur Ansiedlung, verbunden mit der Anlage eines befestigten Ortes auf dem Hügel.
Das ist die Geburtsstunde des Altea, das man heute fotografiert. Der Grundriss von 1617 ist bis in die Straßenführung erhalten — ein Rechteckraster auf der Kuppe, umgeben von einer Mauer mit ursprünglich zwei Toren, dem Portal Vell und dem Portal del Castell; das Portal Nou kam erst Mitte des 18. Jahrhunderts dazu. Vom Portal Vell steigen die Carrer Major und die Carrer Salamanca zur Kirche hinauf. Dass der Ort so kompakt und so hoch liegt, hat nichts mit Ästhetik zu tun, sondern mit Verteidigung.
Nach 1617 besiedelten die Neuankömmlinge auch das Umland rund um die Algarmündung. So entstanden die partides, verstreute Hofgruppen mit eigenen Wegen, Bewässerungsgräben und Kapellen. Diese Streusiedlung erklärt, warum das Gemeindegebiet bis heute aus einem dichten Kern und vielen weit auseinanderliegenden Zonen besteht — die Struktur ist vierhundert Jahre alt.
Altea la Vella blieb bewohnt und ist heute ein ruhiger zweiter Ortskern mit eigener Verwaltungsaußenstelle.
Ein Blick auf das Luftbild von 1956/57 zeigt es deutlicher als jede Beschreibung: Der Ortskern von 1617 liegt dort noch fast allein auf seinem Hügel, ringsum die Streusiedlung der partides und die Terrassenfelder am Algar. Was danach kam — die Hänge, die Urbanisationen, die Küstenstraße — ist die Geschichte der letzten siebzig Jahre. Aufnahme von 1956/57 im Betrachter der Generalitat ↗
Vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert lebte Altea von der Landwirtschaft: Mandeln, Johannisbrot, Wein und vor allem Rosinen, die über die Häfen der Küste in den Norden gingen. Der Botaniker Cavanilles beschrieb die Gegend im späten 18. Jahrhundert als sorgfältig bewässertes Kulturland — das Verdienst der Séquia Mare.
Dazu kam die Fischerei. Wie an der ganzen Küste trafen Reblaus und Rosinenkrise auch den Ort. Bis in die 1950er Jahre blieb Altea ein Ort, der vom Meer und von schmalen Terrassenfeldern lebte.
Ab den 1950er und 1960er Jahren entdeckten Maler, Bildhauer und Schriftsteller den Ort. Diese Künstlerkolonie unterscheidet Altea bis heute von seinen Nachbarn: Sie brachte Galerien, ein Publikum und, wichtiger, ein Selbstverständnis mit sich, das Hochhäuser ablehnte.
Als der Massentourismus im benachbarten Benidorm die Küste veränderte, behielt Altea niedrige Bauhöhen bei. Das ist einer der Gründe, warum die beiden Orte trotz zehn Kilometern Abstand so verschieden aussehen. Später kamen eine Kunsthochschule, das Kulturzentrum Palau d’Altea und ein dauerhaft internationaler Bevölkerungsanteil hinzu: Heute ist rund ein Drittel der gemeldeten Einwohner im Ausland geboren.
Wer den Zusammenhang einmal gesehen hat, liest den Ort anders: Der Hügel ist eine Festung, die Streulage ist eine Agrarstruktur, und der Fluss ist der Grund für beides.
Diese Darstellung ist eine Zusammenfassung für den Alltagsgebrauch, keine wissenschaftliche Arbeit. Verwendet wurden:
Grundlage ist eine schriftliche Auskunft des Arxiu Municipal d’Altea vom Oktober 2026, dazu die vom Archiv genannte Literatur — einsehbar in der öffentlichen Bibliothek Alteas:
Ein großer Teil dessen, was im Netz über Alteas Geschichte steht — auf Hotelseiten, in Reiseportalen, in Nachschlagewerken — geht wörtlich auf denselben kurzen Text zurück. Dass eine Angabe an zwanzig Stellen steht, ist deshalb kein Beleg dafür, dass sie stimmt: Es sind keine zwanzig unabhängigen Quellen, sondern eine, zwanzigmal kopiert. Das betrifft besonders die Namensdeutung.
Belastbar sind an dieser Stelle nur die Archivarbeit und die Fachliteratur. Wo diese uneins ist — bei der Herleitung des Namens und bei Umfang und Lage des griechischen Handelsplatzes — steht der Dissens im Text und wird nicht zugunsten der schöneren Version aufgelöst.
Zusammengestellt Oktober 2026. Jahreszahlen und Zuschreibungen nach gängiger Ortsgeschichtsschreibung; bei strittigen Punkten ist der Streit benannt.
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