Warum der Ort dort liegt, wo er liegt, warum er zweimal gegründet wurde und woher sein Name kommt — mit dem Fluss Algar als rotem Faden, denn ohne ihn gäbe es Altea nicht.
Über die Herkunft des Namens streiten sich zwei Erklärungen, und beide haben ihre Anhänger.
Die griechische führt ihn auf Althaia zurück, zu deutsch etwa „ich heile“. Dazu passt die Überlieferung, griechische Seefahrer hätten den Fluss Algar wegen der vermuteten Heilkraft seines Wassers so genannt, und an seiner Mündung habe ein griechischer Handelsplatz dieses Namens gelegen. Es ist die schönere Geschichte — und die, die man in Altea am häufigsten hört.
Die arabische führt ihn auf aṭṭalāya zurück, aus dem im Valencianischen talaia und im Spanischen atalaya wurde: Wachturm. Der Name meinte dann einen erhöhten Punkt, von dem aus man Land und Meer überblicken konnte — was zur Lage des Ortes bemerkenswert gut passt. Örtliche Historiker halten diese Herleitung für die wahrscheinlichere.
Ganz sauber ist keine von beiden. Gegen die arabische wird eingewandt, das zugrundeliegende Wort sei im andalusischen Arabisch so nicht belegt; gegen die griechische, dass ein Ortsname selten eine Verbform ist. In der muslimischen Zeit ist der Ort als Altāya bezeichnet, und von dort ist der Weg zum heutigen Namen kurz. Mehr lässt sich redlicherweise nicht sagen.
Der Algar entspringt im Bergland bei Callosa d’en Sarrià, wo seine Quellen — die Fonts de l’Algar — bis heute ein Ausflugsziel sind, durchquert das Hinterland und mündet in der Bucht von Altea ins Meer.
Er ist kein Fluss im mitteleuropäischen Sinn. Den größten Teil des Jahres führt er wenig oder gar kein Wasser; nach schweren Herbstregen kann er innerhalb von Stunden zum reißenden Strom werden. Genau diese Doppelnatur hat die Besiedlung geprägt: Das Süßwasser machte Landwirtschaft möglich, die Mündung bot einen natürlichen Ankerplatz, und die Hochwasser hielten die Menschen davon ab, direkt im Bett zu siedeln — man baute auf den Anhöhen daneben.
Alle frühen Siedlungsspuren im Gemeindegebiet liegen an oder nahe der Mündung. Die Séquia Mare, der große historische Bewässerungskanal, leitete sein Wasser in die Felder und war für die Landwirtschaft der Umgebung so wichtig, dass sie deren Aufschwung im 18. Jahrhundert überhaupt erst ermöglichte.
Auch heute steht der Fluss noch im Alltag: Das Kundenbüro der Wasserversorgung liegt am Camí de l’Algar, und wer in Mündungsnähe bauen will, stößt auf Hochwasserschutzauflagen — die Überschwemmungsgebiete sind in der valencianischen Raumplanung kartiert und schlagen bis in einzelne Baugenehmigungen durch. Wer ein Grundstück in Flussnähe kauft, sollte das vor dem Notartermin geklärt haben.
Die ältesten Funde im Gemeindegebiet stammen von iberischen Küstensiedlungen an der Mündung des Algar. Dazu kam, so die verbreitete Darstellung, ein griechischer Handelsplatz namens Althaia in der weiten Bucht. Aus römischer Zeit sind ebenfalls Reste nachgewiesen.
Man sollte sich davon kein Stadtbild vorstellen: Es ging um Ankerplätze, Umschlag und Landwirtschaft an einer Küste, die für die Schifffahrt zwischen den großen Häfen nützlich war. Die Bucht von Altea ist eine der wenigen geschützten Einbuchtungen zwischen Dénia und Alicante — das ist über alle Epochen hinweg der eigentliche Grund für die Bedeutung des Ortes.
Unter muslimischer Herrschaft gehörte das Gebiet in seiner letzten Phase zur Taifa von Dénia. Der Ort hieß Altāya und lag nicht dort, wo Altea heute liegt, sondern weiter landeinwärts am Fuß der Serra de Bèrnia — an der Stelle des heutigen Altea la Vella, wörtlich „das alte Altea“.
Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Ortsstruktur: Es gibt zwei Kerne, und der ältere ist der, der heute wie ein Vorort wirkt. Die Landwirtschaft jener Zeit beruhte auf alqueries, kleinen bäuerlichen Ansiedlungen mit Bewässerung aus dem Algar.
1244 wurde Altea von Jaume I. von Aragón erobert. Eine erste Wiederbesiedlungsurkunde folgte 1279 unter Pere III. Ein mittelalterliches Ansiedlungsprojekt namens Bellaguarda auf dem Hügel über der Bucht kam über bescheidene Anfänge nicht hinaus.
Was folgte, waren Jahrhunderte des Auf und Ab. Im 14. und 15. Jahrhundert fiel der Ort mehrfach wüst. Die Küste war den Überfällen nordafrikanischer Korsaren ausgesetzt; wer an der Küste lebte, lebte gefährlich. Aus dieser Zeit stammt das Netz der Wachtürme, deren Reste noch stehen — die Torre de la Galera ist heute geschütztes Kulturgut, die Torre de Bellaguarda gab dem ältesten Viertel des Ortes seinen Namen.
Den Ausschlag gab schließlich die Vertreibung der Morisken 1609. Sie entzog der Region einen Großteil der Bevölkerung, und das alte Altāya wurde vollständig verlassen.
Um die Wende zum 17. Jahrhundert hatte sich unterhalb des Turms von Bellaguarda eine kleine Ansiedlung gehalten. 1617 erhielt sie unter der Herrschaft von Francisco de Palafox, Marqués de Ariza, eine zweite carta pobla: die Erlaubnis zur Ansiedlung, verbunden mit der Anlage eines befestigten Ortes auf dem Hügel.
Das ist die Geburtsstunde des Altea, das man heute fotografiert. Der Grundriss von 1617 ist bis in die Straßenführung erhalten — ein Rechteckraster auf der Kuppe, umgeben von einer Mauer mit mehreren Toren, von denen das Portal Vell das bekannteste ist. Von dort steigen die Carrer Major und die Carrer Salamanca zur Kirche hinauf. Dass sich der Ort so kompakt und so hoch anordnet, ist keine Ästhetik, sondern Verteidigung.
Nach 1617 besiedelten die Neuankömmlinge auch das Umland rund um die Algarmündung. So entstanden die partides, verstreute Hofgruppen mit eigenen Wegen, Bewässerungsgräben und Kapellen. Diese Streusiedlung erklärt, warum das Gemeindegebiet bis heute aus einem dichten Kern und vielen weit auseinanderliegenden Zonen besteht — die Struktur ist vierhundert Jahre alt.
Altea la Vella füllte sich ab dem 18. Jahrhundert allmählich wieder und ist heute ein ruhiger zweiter Ortskern mit eigener Verwaltungsaußenstelle.
Altea aus der Luft: 1956 und heute
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Den Regler ziehen, um zwischen den Zeiten zu wechseln. Beide Aufnahmen sind amtliche Orthofotos des Institut Cartogràfic Valencià.
Der Vergleich zeigt es deutlicher als jede Beschreibung: 1956 liegt der Ortskern von 1617 noch fast allein auf seinem Hügel, ringsum die Streusiedlung der partides und die Terrassenfelder am Algar. Was danach kam — die Hänge, die Urbanisationen, die Küstenstraße — ist die Geschichte der letzten siebzig Jahre.
1705, im Spanischen Erbfolgekrieg, landete in der Bucht von Altea die englisch-niederländische Flotte, die den Habsburger Erzherzog Karl unterstützte, angeführt vom valencianischen General Joan Baptista Basset. Altea wurde damit einer der ersten Orte, die für die habsburgische Seite Partei ergriffen.
Zum Dank verlieh Erzherzog Karl dem Ort den Doppeladler als Bekrönung des Wappens. Er ist bis heute dort zu sehen — ein habsburgisches Symbol an der Mittelmeerküste, das ohne diese Episode niemand erklären könnte. Für Altea endete der Krieg allerdings auf der Verliererseite.
Vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert lebte Altea von der Landwirtschaft: Mandeln, Johannisbrot, Wein und vor allem Rosinen, die über die Häfen der Küste in den Norden gingen. Der Botaniker Cavanilles beschrieb die Gegend im späten 18. Jahrhundert als sorgfältig bewässertes Kulturland — der Verdienst der Séquia Mare.
Dazu kamen Fischerei und Bootsbau. Die Reblaus und der Zusammenbruch des Rosinenmarktes trafen die Küste schwer und lösten Auswanderungswellen aus. Bis in die 1950er Jahre blieb Altea ein Ort, der vom Meer und von schmalen Terrassenfeldern lebte.
Ab den 1950er und 1960er Jahren entdeckten Maler, Bildhauer und Schriftsteller den Ort — angezogen von Licht, Preisen und der intakten Altstadt. Diese Künstlerkolonie unterscheidet Altea bis heute von seinen Nachbarn: Sie brachte Galerien, ein Publikum und, wichtiger, ein Selbstverständnis mit sich, das Hochhäuser ablehnte.
Als der Massentourismus im benachbarten Benidorm die Küste veränderte, entschied sich Altea für eine Bauhöhenbegrenzung. Das ist der Grund, warum die beiden Orte trotz zehn Kilometern Abstand so verschieden aussehen. Später kamen eine Kunsthochschule, das Kulturzentrum Palau d’Altea und ein dauerhaft internationaler Bevölkerungsanteil hinzu: Heute ist rund ein Drittel der gemeldeten Einwohner im Ausland geboren.
Wer den Zusammenhang einmal gesehen hat, liest den Ort anders: Der Hügel ist eine Festung, die Streulage ist eine Agrarstruktur, und der Fluss ist der Grund für beides.
Diese Darstellung ist eine Zusammenfassung für den Alltagsgebrauch, keine wissenschaftliche Arbeit. Verwendet wurden:
Ein großer Teil dessen, was im Netz über Alteas Geschichte steht — auf Hotelseiten, in Reiseportalen, in Nachschlagewerken — geht wörtlich auf denselben kurzen Text zurück. Dass eine Angabe an zwanzig Stellen steht, ist deshalb kein Beleg dafür, dass sie stimmt: Es sind keine zwanzig unabhängigen Quellen, sondern eine, zwanzigmal kopiert. Das betrifft besonders die Namensdeutung.
Belastbar sind an dieser Stelle nur die Archivarbeit und die Fachliteratur. Wo diese uneins ist — bei der Herleitung des Namens und bei Umfang und Lage des griechischen Handelsplatzes — steht der Dissens im Text und wird nicht zugunsten der schöneren Version aufgelöst.
Zusammengestellt August 2026. Jahreszahlen und Zuschreibungen nach gängiger Ortsgeschichtsschreibung; bei strittigen Punkten ist der Streit benannt.
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